- Seit fünf Jahren erleichtert das Familienzentrum Aufwind Pirmasenser Familien und Bürgern erfolgreich den Zugang zu individuellen Hilfsangeboten und Unterstützungen
- Ganzheitliche Sicht auf die Betroffenen mit ihren sozialen Problemstellungen ermöglicht gebündelte Angebote aus übergreifenden Rechtskreisen
- Städtische Teams arbeiten eng verzahnt zusammen mit Netzwerkpartnern wie Arbeitsagentur und Jobcenter, Schulen und Schulsozialarbeit, Schuldner- und Drogenberatung sowie Amt für Jugend und Soziales
Pirmasens, 13. März 2026. Als „Pionierarbeit für die Zukunft der Familien“ bewertete die westpfälzische Stadt Pirmasens im Februar 2021 die Etablierung einer zentralen Anlaufstelle für Familien und Bürger, um ihnen den gebündelten Zugang zu individuellen Hilfsangeboten und Unterstützungen aus mehreren Rechtskreisen zu erleichtern. Das vor fünf Jahren gegründete und seither in der Klosterstraße 9 a ansässige Familienzentrum Aufwind ist über ein eng verzahntes Partnernetzwerk breit aufgestellt und betrachtet in seiner Sozialarbeit die Familie als Gesamtes – also nicht etwa isoliert auf Jugendliche oder Eltern. Der ganzheitliche Ansatz im Sinne einer systemischen Betrachtung wird als Voraussetzung für eine nachhaltige Veränderung beim Menschen gesehen. Denn dauerhafter Bestand von Veränderungen ist nur möglich, wenn die Rahmenbedingungen des Systems, in das der Mensch als soziales Wesen eingebunden ist, diese zulassen.
Die Idee zum Familienzentrum Aufwind ist auf eine Initiative von Markus Zwick zurückzuführen. Weil die zahlreichen Hilfsangebote nicht immer bei den Familien ankamen, wollte der Pirmasenser Oberbürgermeister die Betroffenen besser unterstützen mit dem Ziel, prekäre Lebenssituationen aufzubrechen und dem Verfestigen sozialer Schieflagen entgegenzuwirken. Der Grundgedanke dahinter: Wenn sie ihre Umstände selbst aktiv verbessern können, wirkt sich dies auch positiv auf den Nachwuchs aus. Wenn dieser sieht und lernt, wie die Eltern ihr Leben eigenständig und selbstverantwortlich gestalten, lässt sich der Teufelskreis erlernter Abhängigkeit durchbrechen.
Nach fünf Jahren des Betriebs ist festzustellen: Die Einrichtung wurde von der Stadtgesellschaft angenommen und genießt einen hervorragenden Ruf. Das am Sachgebiet Soziale Arbeit der Stadtverwaltung angesiedelte vierköpfige Team agiert als offene Anlaufstelle betont niederschwellig. Die leichte Zugänglichkeit wird unterstützt durch die Arbeit der Quartiersbüros p11, Mittendrin, Horeb-Treff, Zusammenhalt am Sommerwald sowie Verein(t) im Schachen. Dank der zugleich stadtweit auch aufsuchenden Sozialarbeit ist es gelungen, zahlreiche vernetzte Hilfen zu vermitteln.
Bilanz spricht für sich
Davon zeugen eindrucksvoll die zahlreichen Erfolge, hinter denen jeweils Menschen und deren Lebensläufe aus 24 verschiedenen Nationen stehen. Deren Geschichten sind sehr unterschiedlich ausgeprägt und jede einzelne spricht für sich. Dennoch gibt es typische Beispiele: So etwa ein junger Mann, der nach einer abgebrochenen Ausbildung und Selbstaufgabe wieder aufgebaut und in neue berufliche Bahnen gelenkt wurde, oder eine junge Mutter, der über die Vermittlung einer Fortbildung und einer Arbeitsstelle der direkte Weg in eine Anstellung als Finanzbuchhaltungskraft geebnet wurde. Charakteristisch ist etwa auch der Fall eines jungen Mannes, dessen Erkrankung zum Karriereende führte und dem daraufhin mit der Vermittlung einer Ausbildung völlig neue Perspektiven geschaffen werden konnten.
Allein in dem Programm „Armut begegnen“ wurden in vier Jahren (vom Projektbeginn Ende 2021 bis Ende 2025) insgesamt 116 Aufnahmen gezählt – mit in der Folge unterschiedlich langen Begleitzeiten. Die wichtigsten Ziele und schönsten Erfolge sind hier, Menschen zurück in ein geregeltes Leben mit Wohnung und Arbeit begleitet und Armut abgewendet zu haben. Die lokale Servicestelle zur Armutsprävention entwickelt Strategien, um Armut in unserer Stadt nachhaltig zu bekämpfen und zu vermeiden. Diese Maßnahmen fördern die soziale Integration und verbessern gezielt die Arbeitsmarktchancen der Betroffenen. Ein besonderer Fokus liegt auf Kitas und Schulen: Hier ebnet Schulsozialarbeit den Weg zu einer guten Bildung, um das Risiko künftiger Armut bereits im Kindesalter zu minimieren.
Die jährlichen Kontingente der anderen Programme sind jeweils vorgegeben, auch wenn tatsächlich immer einige mehr betreut werden. Entsprechend hat die Koordinationsstelle der Jugendberufsagentur Plus (JBA+) im Familienzentrum Aufwind in fünf Jahren mehr als 125 junge Menschen individuell beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder Beruf unterstützt. Dank Förderung durch das Jobcenter Pirmasens (50 %) und den Europäischen Sozialfonds (40 %) kann die JBA+ ihre Arbeit stabil fortsetzen. Diese Unterstützung ist für die Stadt unverzichtbar, um jungen Menschen diese wichtige Anlaufstelle bieten zu können.
Beim Jobfux saldiert sich die Betreuungszahl auf über 200. Die Leistungsfelder reichen von Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche über Bewerbungstrainings und Unterstützung bei der beruflichen Orientierung bis zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und Eignungstests. Das an der Berufsbildenden Schule (BBS) Pirmasens angesiedelte Schulprojekt wird kofinanziert von der Europäischen Union und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds plus gefördert durch das rheinland-pfälzische Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung (MASTD).
Breites Einsatzfeld mit klarem Fokus
Das Familienzentrum Aufwind unterstützt Familien und Jugendliche mit vielfältigen sozialen Angeboten. Es konzentriert sich auf den Übergang von der Schule in den Beruf inklusive der Suche nach einer Ausbildungs- oder Arbeitsstelle (sowie allgemeiner Familienhilfe) und vermittelt bei verschiedensten Bedarfslagen zu spezielleren Beratungsstellen – sei es Drogen-, Schuldner- oder Ehe- und Familienberatung. Darüber hinaus begleitet das interdisziplinäre Team bei Bedarf Amtsgänge und hilft zur Selbsthilfe, etwa indem Möglichkeiten der Förderung individuell gefunden und entsprechende Antragsstellungen begleitet werden.
Die Arbeit ist von Fallkonferenzen geprägt, die ein gemeinsames Fallverstehen der involvierten Netzwerkpartner im Sinne Rechtskreis-übergreifender Zusammenarbeit fördern. Alle auf das gemeinsam formulierte Ziel hin gerichtete Leistungen werden (vom Familienzentrum Aufwind moderiert) abgestimmt. Dies schärft den Fokus und erhöht die Erwartung an den Einzelnen und vermittelt zugleich das wertvolle Gefühl, als Person gesehen zu werden. Die notwendige Veränderung resultiert dabei aus den gemeinsamen Anstrengungen der Klienten und der beteiligten Leistungsträger bzw. -erbringer.
Engmaschiges Netzwerk
Jungen Menschen und ihren Familien zu eigenständigem und selbstverantwortlichem Leben unabhängig von Sozialleistungen verhelfen: Auf dieses übergeordnete Ziel ist das Familienzentrum Aufwind gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern ausgerichtet. Zu diesen zählen u. a. Arbeitsagentur und Jobcenter, Schulen, Schulsozialarbeit und Träger, die Projekte aus dem Jugendarbeitsmarkt umsetzen, Schuldner- und Drogenberatung, Renten- und Krankenkassen wie auch das Amt für Jugend und Soziales.
Der jeweilige Impuls zur Hilfestellung kann auf allen Seiten entstehen. Die ressortübergreifende Sichtweise bringt daraufhin alle relevanten Akteure an einen Tisch und eröffnet ganzheitliche Lösungsansätze; im Ergebnis sind noch gezieltere Hilfen möglich. Außerdem können im Einzelfall und bei Bedarf jederzeit auch die jeweiligen Experten aus dem Netzwerk zur fachlichen Beratung faktisch nahtlos hinzugezogen werden.
Gewinnbringend ist dabei gerade auch die Zusammenarbeit mit Diensten und Stellen, die bei der Alltagsbewältigung unterstützen können. Dazu gehören neben den städtischen Quartiersbüros die freien Träger wie beispielsweise die Sozialpädagogische Familienhilfe. Das Netzwerk „Pakt für Pirmasens“ schließlich bündelt alle Akteure und ermöglicht so einen zuverlässigen und regelmäßigen Austausch.
Arbeit von Förderkulisse gestützt
„Die nicht beherrschte Alltagsbewältigung der Eltern, die dadurch erzeugte Ablehnung und mangelnde Bestätigung durch die Gesellschaft bewirken wiederum Ablehnung“, so Torsten Frey, Sachgebietsleiter Soziale Arbeit bei der Pirmasenser Stadtverwaltung. „Die Umwelt wird als feindlich erlebt. Die Folgen dieser Ablehnung und Gegenablehnung, die mangelnde Integration und Ausgrenzung werden oft mit teuren sozialarbeiterischen oder psychologischen, mitunter strafrechtlichen Mitteln bearbeitet. So wiederholt sich trotz teuren Maßnahmen für die Kinder dieser Kinder der gleiche Teufelskreis. Wenn an der Alltagsbewältigung so viel liegt, lohnen sich niedrigschwellige und damit zeitnahe Angebote, die vor der Katastrophe ansetzen, allemal mehr, als solche, die erst eingesetzt werden können, wenn der Schaden bereits angerichtet ist. Jede Investition in die Verbesserung misslicher sozialer Situationen ist wichtig. Besonders jungen Menschen mit ihren Familien schulden wir einen Anschub, damit sie später einmal eigenständig und selbstverantwortlich leben können. Hier leistet das Familienzentrum Aufwind mit seinen Rechtskreis-übergreifenden Angeboten einen unschätzbaren Dienst.“
„Mit jedem gemeinsam betreuten Fall wurden unsere Vorgehensweisen wie in einem lernenden System weiter verbessert und gestärkt“, betont Philipp Kuhn, Koordinator der JBA+ im Familienzentrum Aufwind. „Egal, wer uns anspricht oder wen wir als Familienzentrum ansprechen: Das Familienzentrum ist mit seinen zusammengefassten Bestandteilen so aufgestellt, dass wir jedem ein Angebot machen können, damit er nicht durchs Netz fällt.“
„Möglichst niemanden zurücklassen – alle mitnehmen: Nicht weniger hoch lautet unser Anspruch, wenn wir auf Familien in Notlagen schauen“, erklärt Markus Zwick, Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens. „Mit unseren niedrigschwelligen Angeboten im Familienzentrum Aufwind tragen wir gemeinsam mit den Netzwerkpartnern dazu bei, dass sie den Anschluss halten und zuversichtliche Perspektiven aufbauen können. Mehr als das aber zahlt jede geleistete Hilfestellung auch direkt in die Zukunft unserer Stadtgesellschaft ein, indem sie soziale Ungleichheiten abbaut und langfristigen Zusammenhalt fördert.“
Kontakt:
Familienzentrum Aufwind
66953 Pirmasens
Klosterstraße 9 a
Philipp Kuhn
06331 14891-21 | philippkuhn@pirmasens.de
Ergänzendes zur Stadt Pirmasens
Erste urkundliche Erwähnung fand Pirmasens um 850 als „pirminiseusna“, angelehnt an den Klostergründer Pirminius. Der als Stadtgründer geltende Landgraf Ludwig IX. errichtete im heutigen Pirmasens die Garnison für ein Grenadierregiment, es folgten 1763 die Stadtrechte. Am südwestlichen Rand des Pfälzerwalds gelegen und grenznah zu Frankreich ist das rund 42.000 Einwohner zählende rheinland-pfälzische Pirmasens wie Rom auf sieben Hügeln erbaut. In ihrer Blütezeit galt die Stadt als Zentrum der deutschen Schuhindustrie und ist in dieser Branche heute noch wichtiger Dreh- und Angelpunkt; ihren Sitz in Pirmasens haben zum Beispiel die Deutsche Schuhfachschule und das International Shoe Competence Center (ISC). Zu den tragenden Wirtschaftsbereichen zählen unter anderem chemische Industrie, Kunststofffertigung, Fördertechnik-Anlagen und Maschinenbau. Pirmasens positioniert sich heute als Einkaufsstadt mit touristischem Anspruch und gut ausgestattetem Messegelände. Seit 1965 wird eine Städtepartnerschaft mit dem französischen Poissy gepflegt. Weitere Informationen unter www.pirmasens.de.
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