- Stadt Pirmasens investiert mit innovativem Maßnahmenbündel in Standort-verbesserungen für kommunalen Baumbestand und in Neupflanzungen
- Entsiegelung, Bodenaustausch, Spezialbeläge sowie Bewässerungssysteme zielen auf Schutz speziell in trockenen Phasen
- Förderung von Biotop- und Artenschutz in PikoParks mit Pflanzungen von und arten-reichen biodiversen Stauden
Pirmasens, 24. Juli 2026. Rund 30.000 Bäume – davon stehen 3.000 entlang von Straßen – pflegt und unterhält Pirmasens im gesamten Stadtgebiet. Gerade auch angesichts der Zunahme heißer und trockener Phasen hat die westpfälzische Stadt eigens ein mehrteiliges und ganzheitlich konzipiertes Maßnahmenpaket geschnürt, um den Baumbestand wie auch die Neupflanzungen dauerhaft zu schützen und zu stärken. Finanziell mit ermöglicht haben diese wichtigen Projekte für natürlichen Klimaschutz im Gesamtwert von mehr als 1,57 Mio. Euro zwei Förderprogramme, für die sich Pirmasens zuvor erfolgreich beworben hatte. Dabei handelt es sich zum einen um die Aufnahme in die Kulisse „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ (Bundesumweltministerium und Kreditanstalt für Wiederaufbau) und zum anderen um das Projekt „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“ (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung). Ein Großteil der benötigten Summe wird über diese Förderung abgedeckt, was die Stadtkasse deutlich entlastet.
Verbesserte Versorgung von alten und neuen Bäumen
Ein erheblicher Teil der Fördersumme entfällt auf die Standortverbesserung bei den Altbäumen an Pirmasenser Straßen. Sind deren Baumscheiben zu eng, so dass Wurzelraum, Wassererschließung und Bodenluft fehlen, können die Bäume vorzeitig altern. Um dem entgegenzuwirken, wird der Belag entsiegelt und der Boden gegen Baumsubstrat ausgetauscht. Wo dies nicht möglich ist, kommt ein Spezialbelag zum Einsatz, im Gehweg ergänzt um PU-Asphalt, der durch den Ersatz des Bindemittels Bitumen durch Polyurethan wasser- und luftdurchlässig ist. Bei den anstehenden Neupflanzungen von Bäumen orientiert sich Pirmasens je nach Standort – in Parks, auf Friedhöfen, auf kleinen Grünflächen oder an Straßen – an verschiedenen wasser- und nährstoffspeichernden Methoden wie beispielsweise dem Stockholmer Baumpflanzsystem. Hierfür werden im Untergrund Substrate in verschiedenen Körnungen eingebaut, mit Pflanzenkohle sowie anderen Bodenhilfsstoffen ergänzt und ein Drainsystem verlegt. Dadurch kann Dach- oder Oberflächenwasser gleichmäßig versickern und wird gleichzeitig wie in einem Schwamm gespeichert. Auf diese Weise sind die Baumwurzeln auch in Trockenphasen mit Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgt.
Darüber hinaus setzt Pirmasens zur genaueren Bestimmung des Wasserbedarfs der Bäume auf sensorgeschützte Technologie mit größeren Clustern im ganzen Stadtgebiet. Zur Strategie gehört ebenso die dezentrale Aufstellung von 15 Tankbänken nahe den Bäumen, die jeweils 1.000 Liter Wasser fassen werden. Auf diese Weise müssen die Tankfahrzeuge, die im Sommer für die Bewässerung der Bäume sorgen, nicht mehr zum Auftanken den weiten Weg zum Ausgangsstandort zurücklegen. Stattdessen nehmen sie das Wasser direkt am jeweiligen Einsatzort auf. So sind weniger Fahrzeiten erforderlich, des Weiteren verringert dies beispielsweise auch die Fahrzeugabnutzung und den Ausstoß an klimaschädlichem CO2.
Klein, aber oho
An ausgewählten Stellen im Pirmasenser Stadtgebiet entstehen dank der Förderung weitere „PikoParks“ genannte naturnahe, kleine Grünflächen mit Pflanzungen von Bäumen und artenreichen biodiversen Stauden. Hinzu kommen ansprechend gestaltete Aufenthaltsbereiche sowie – wo möglich – öffentlich zugängliche Flächen, auf denen Obst und Gemüse zum unkomplizierten Ernten angebaut wird, Stichwort „Essbare Stadt“. Über den enorm wichtigen Biotop- und Artenschutz hinaus verbessert sich auf diese Weise auch die Lebensqualität der Anwohner und die Innenstadt wird nachhaltig verschönert.
Mit seinen innovativen technologischen Methoden und dem klaren Augenmerk auf Nachhaltigkeit und Effizienz kann das Pirmasenser Modell auch anderen deutschen Städten und Kommunen als Vorbild dienen, die sich ebenso den Herausforderungen des Klimawandels stellen müssen. Zusätzlich zu den initiierten Projekten werden in Pirmasens auch Bürger, Interessenvertretungen und Organisationen etwa mittels Workshops oder Baumpatenschaften miteingebunden. Im Zuge dessen soll unter anderem in Schulklassen ein „Klimawandeldiplom“ das bereits bestehende „Sonnendiplom“ ergänzen. Dies ermöglicht es, schon Kinder früh für Themen wie Nachhaltigkeit und einen verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen zu sensibilisieren.
Wirksame Kombination aus smarten Technologien
Gerade in Zeiten der Klimakrise sind Bäume in vielerlei Hinsicht sehr wichtig: Sie sorgen zum Beispiel für Schatten auf Wegen und Plätzen, dienen bei Regen als Wasserspeicher, binden CO2, bieten Lebensraum für Tiere und fungieren als natürlicher Wind- und Erosionsschutz. Die Erfahrung zeigt, dass Bäume in trockenen, heißen Sommern in hohem Maße leiden. Für eine zielgerichtetere Bewässerung hat Pirmasens daher bereits 2023 mit Unterstützung der Projektpartner Vodafone und Agvolution ein Pilotprojekt mit smarter Sensortechnologie gestartet. Hierfür wurden Baumgruppen an unterschiedlichen Standorten in der Stadt mit solarbetriebenen Sensoren ausgestattet, die kontinuierlich die Temperatur und Bodenfeuchtigkeit um den Wurzelballen messen. Die Zusammenführung dieser Daten in digitalen Zwillingen ermöglicht eine Vorhersage zum Trockenstress der Bäume, den man dann mit einer passgenauen und dadurch deutlich sparsameren Wasserzugabe frühzeitig vermeiden kann. Aufgrund der positiven Ergebnisse dieses Feldversuchs soll es künftig 70 Bodensonden an ausgewählten Baumclustern geben.
„Der Klimawandel wirkt sich auf uns alle ganz unmittelbar aus, was uns die starken Überschwemmungen in der Südwestpfalz im vergangenen Jahr einmal mehr deutlich gezeigt haben“, erklärt André Jankwitz, der als Leiter des Garten- und Friedhofsamts in Pirmasens die Maßnahmen federführend geplant hat. „Umso wichtiger ist es daher, den Auswirkungen mit ganzer Kraft entgegenzutreten und die so wichtigen städtischen Bäume, die bestehenden wie die dazukommenden, an die neuen Gegebenheiten frühzeitig anzupassen, um so eine zukunftsfähige grüne Infrastruktur zu schaffen.“
„Neben den vorbildhaften innovativen Konzepten, deren Umsetzung vor allem dank staatlicher Förderung ermöglicht wird, ist es uns besonders wichtig, durchgängig die Zivilgesellschaft mit ins Boot zu nehmen und den Austausch aller Akteure zu fördern. Die Erfahrung zeigt, dass solch ambitionierte Projekte nur gelingen können, wenn die Bevölkerung die entscheidenden Eckpunkte kennt, akzeptiert und mitträgt“, ergänzt der Pirmasenser Bürgermeister Michael Maas. „Unser klares Ziel ist eine Stadt, in der Grünflächen ästhetisch ansprechend sind, aber zugleich auch dauerhaft zum Klimaschutz und zur Lebensqualität der Bürger beitragen und zu einer nachhaltigen Transformation des Stadtbildes von grau zu grün.“
Ergänzendes zur Stadt Pirmasens
Erste urkundliche Erwähnung fand Pirmasens um 850 als „pirminiseusna“, angelehnt an den Klostergründer Pirminius. Der als Stadtgründer geltende Landgraf Ludwig IX. errichtete im heutigen Pirmasens die Garnison für ein Grenadierregiment, es folgten 1763 die Stadtrechte. Am südwestlichen Rand des Pfälzerwalds gelegen und grenznah zu Frankreich ist das rund 42.000 Einwohner zählende rheinland-pfälzische Pirmasens wie Rom auf sieben Hügeln erbaut. In ihrer Blütezeit galt die Stadt als Zentrum der deutschen Schuhindustrie und ist in dieser Branche heute noch wichtiger Dreh- und Angelpunkt; ihren Sitz in Pirmasens haben zum Beispiel die Deutsche Schuhfachschule und das International Shoe Competence Center (ISC). Zu den tragenden Wirtschaftsbereichen zählen unter anderem chemische Industrie, Kunststofffertigung, Fördertechnik-Anlagen und Maschinenbau. Pirmasens positioniert sich heute als Einkaufsstadt mit touristischem Anspruch und gut ausgestattetem Messegelände. Seit 1965 wird eine Städtepartnerschaft mit dem französischen Poissy gepflegt. Weitere Informationen unter www.pirmasens.de.
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